Das Ende des Journalismus – wie wir ihn kennen

Nehmen wir es als Selbstironie, als letzten Versuch, aus einem professionellen Unfall noch so etwas wie eine Glosse zu machen: Am Ende seines Beitrags verweist der Verfasser auf eine Veranstaltung des Instituts für Kommunikationswissenschaft, ausgerechnet zum Thema Qualität im Journalismus! Bereits zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen hat eine Dresdner Redaktion versucht, aus Nichts eine Story zu machen – als wäre nicht genug los in dieser Stadt. Darum geht es:

Die Woodwards und Bernsteins dieser Redaktion sind – jedenfalls in ihren eigenen Köpfen – einer Enthüllung auf der Spur: Im Rathaus sind einige Mitarbeiter krank und andere wurden umgesetzt auf andere Positionen. Die grauenvolle Ursache: Die Oberbürgermeisterin macht sie alle fertig, stresst sie, bis sie ins Krankenbett fallen oder auf ruhigere Jobs müssen (der “Oro-Virus”, jetzt auch als Bild zum Runterladen). Wo bitte ist hier die Story? Schon mal davon gehört, dass Menschen krank werden, vor allem im Winter? Schon mal erwogen, ob ein leitender Mitarbeiter (dessen Diagnose man unverblümt in der Zeitung lesen kann – wo bleibt da der Persönlichkeitsschutz?) seinem Job nicht gewachsen war und deshalb ausbrannte? Vielleicht wird ja im Rathaus inzwischen tatsächlich etwas mehr gearbeitet als sonst. Uns Bürgern soll es recht sein.

Aber das ist hier nicht das Thema: Was hat das noch mit Journalismus zu tun, wenn aus einigen kranken Mitarbeitern und wenigen Versetzungen ein ”Oro-Virus” wird, wenn mit Unterstellungen und wüsten Behauptungen versucht wird, krampfhaft eine Story am Köcheln zu halten, die – bis mir einer medizinisch handfest das Gegenteil beweist – aus den Fingern gesogen ist? Mit kritischem Journalismus hat das nichts zu tun. Da halte ich es mit der Wissenschaftstheorie des Karl Popper: “Kritisch” ist in erster Linie das permanente Infragestellen der eigenen Vermutungen.  Aber diese Art von Journalismus folgt eher der Maxime ‘Ich lasse mir durch Recherche doch nicht meine Story kaputt machen”…